Timeline

5. Dezember: Achillina Bo wird als Tochter des genuesischen Ehepaars Enrico und Giovanna in Rom geboren. Eine jüngere Schwester, Graziella, folgt.

Semana de Arte Moderna (Woche der modernen Kunst) in São Paulo.

Gregori Warchavchik baut das erste, moderne Haus“ Brasiliens in der Rua Santa Cruz in São Paulo.

Erste Nationale Ausstellung rationaler Architektur in Rom.

Der Schweizer Architekt Le Corbusier bereist São Paulo und Rio de Janeiro.

Die von Getúlio Vargas angeführte Revolution markiert den Beginn einer nationalistischen Regierung in Brasilien.

Im Verlauf der zweiten Nationalen Ausstellung rationaler Architektur in Rom trägt Pietro Maria Bardi sein Manifest Rapporto sull’architettura (Bericht zur Architektur) vor Mussolini vor. Er plädiert für den Rationalismus als offiziellen Stil des faschistischen Staats. Obwohl der Duce ablehnend reagiert, erschließt Bardi damit einen Raum für moderne Bauten in Italien. Frank Lloyd Wright reist nach Brasilien und wird dort von den Architekten Lucio Costa und Gregori Warchavchik empfangen. An der Escola Nacional de Belas Artes (Akademie der bildenden Künste) in Rio findet eine Konferenz statt. Frank Lloyd Wright visits Brazil and is received by architects Lucio Costa and Gregori Warchavchik. A conference is held at the Escola Nacional de Belas Artes (School of Fine Arts) in Rio.

Pietro Maria Bardi und Le Corbusier nehmen am Internationalen Kongress moderner Architektur (CIAM) auf einem Kreuzfahrtschiff zwischen Marseille und Athen teil, der zur Charta von Athen führt.

Auf Einladung des Ministeriums für Bildung und Gesundheit in Rio bereist der italienische Architekt Marcello Piacentini Brasilien und stellt seine Pläne für eine Universität vor.

Le Corbusier und Lucio Costa (neben anderen) entwerfen das Gebäude des Ministeriums für Bildung und Gesundheit. Der Architekt Giuseppe Pagano organisiert im Rahmen der Sechsten Triennale von Mailand die Ausstellung Ländliche Architektur in Italien, die die ethischen Wurzeln der kulturellen und politischen Erneuerung in lokalen Bautypen Italiens sucht.

In Brasilien wird der Estado novo (Neue Staat) ausgerufen.

Lina schließt das Architekturstudium in Rom ab. Ihre Abschlussarbeit ist ein Mutter-Kind-Betreuungszentrum. Lucio Costa und Oscar Niemeyer planen den brasilianischen Pavillon für die Weltausstellung in New York.

Lina zieht nach Mailand und gründet mit dem Architekten Carlo Pagani das Studio Bo e Pagani in der Via Gesù 12. Mit dem Architekten und Designer Gio Ponti arbeitet Lina (bis 1943) an der Zeitschrift Lo Stile – nella casa e nell’arredamento. Außerdem arbeitet sie für die Zeitschriften Grazia, Bellezza, Vetrina und L’Illustrazione italiana.

Eröffnung von Pampulha in Belo Horizonte (Bundesstaat Minas Gerais) nach Plänen von Oscar Niemeyer.

Lina beendet die Zusammenarbeit mit Gio Ponti und wird bis zu deren vorläufiger Einstellung im Januar 1945 neben Carlo Pagani stellvertretende Leiterin von Domus und Quaderni di Domus. Die Bombenangriffe der Alliierten zerstören Mailand, auch ihr Studio in der Via Gesù. Lina kooperiert eng mit mehreren Architekten und Intellektuellen, die die Resistenza unterstützen. Im New Yorker Museum of Modern Art findet die Ausstellung Brazil Builds statt. Der Katalog zur Ausstellung macht die moderne Architektur aus Brasilien weltweit bekannt. The exhibition Brazil Builds takes place at the Museum of Modern Art, New York; its catalogue promotes Brazilian Modern Architecture worldwide.

Lina beteiligt sich an der Gründung der Architektenvereinigung, die später zum Movimento Studi Architettura – der Mailänder Kerngruppe zur Förderung des rationalistischen Wiederaufbaus – wird. Domus beauftragt Lina, gemeinsam mit Carlo Pagani und dem Fotografen Federico Patellani die bauliche Situation des zerstörten Italien zu dokumentieren und evaluieren. Lina gründet mit Pagani und Bruno Zevi das Mailänder Wochenmagazin A – Attualità, Architettura, Abitazione, Arte. Außerdem arbeitet sie für die von Elio Vittorini geleitete Tageszeitung Milano Sera. Lina nimmt am ersten landesweiten Treffen für Wiederaufbau in Mailand teil, auf dem sie die Delegierten vor der Gleichgültigkeit der öffentlichen Meinung gegenüber diesem Thema warnt, das in ihren Augen nicht nur den baulichen, sondern auch den moralischen Wiederaufbau des Landes umfasst. Mit der Absetzung von Getúlio Vargas endet in Brasilien der Estado novo. Wahlen zum Staatspräsidenten und zur verfassungsgebenden Versammlung werden abgehalten.

Lina übersiedelt nach Rom und heiratet Pietro Maria Bardi. Im Oktober reist das Paar nach Südamerika. In Rio wird es vom IAB (Institut brasilianischer Architekten) empfangen. Mario Ridolfi veröffentlicht in Italien sein Handbuch für den Architekten. Es ist ein umfangreicher Überblick über die handwerklichen Baumethoden in Italien, der dem Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg dienen soll.

Assis Chateaubriand lädt PietroMaria Bardi ein, ein Kunstmuseum zu gründen und zu leiten. Obwohl Lina als Standort Rio de Janeiro bevorzugt, entscheidet man sich für São Paulo. Am 2. Oktober wird das MASP (Kunstmuseum São Paulo) gegründet. Seine temporären Büros befinden sich im zweiten Stock des Hauptquartiers der Zeitschriftenvereinigung Diários Associados an der Rua Sete de Abril. Lina plant den Umbau des Gebäudes in ein Museum. Pläne für eine neue Zentrale der Diários Associados an der Rua Álvaro de Carvalho in São Paulo. Lina entwirft Schmuckstücke mit brasilianischen Edelsteinen.

Die Gründung des Studio d’Arte Palma im 18. Stock eines Bauwerks des polnischen Architekten Lucjan Korngold an der Praça Bráulio Gomes 66 in São Paulo bringt Pietro Maria Bardi, Lina, Giancarlo Palanti (bis 1951) und Valeria Piacentini Cirell (die die alte Kunst verantwortet) zusammen. Im August findet dort die Ausstellung Nós e o Antigo (Wir und das Alte) statt. Gründung des Museums moderner Kunst (MAM), des Brasilianischen Lustspiels (TBC) und der Fakultät für Architektur und Städtebau an der Universität São Paulo (FAU USP).

Lina gründet die Zeitschrift Habitat – Revista das Artes no Brasil, deren Ausgaben 1 bis 9 sowie 14 und 15 sie herausgibt (die Nummern 10 bis 13 verantwortet Flávio Motta). Zusammenarbeit mit Giancarlo Palantito bei der Planung des Umbaus des Gebäudes der Diários Associados an der Rua Sete de Abril, das den Bedürfnissen des nunmehr bereits zwei Stockwerke einnehmenden MASP angepasst werden soll.

Lina wird brasilianische Staatsbürgerin: „Bei der Geburt hat man keine Wahl, man wird einfach geboren. Ich wurde nicht in diesem Land geboren, aber ich habe mich aus freien Stücken entschlossen, hier zu leben. Daher ist Brasilien im doppelten Sinn mein Land: Es ist das ‚Land meiner Wahl’ und ich fühle mich als Bürgerin all seiner Städte – von Cariri bis zum Dreieck von Minas Gerais, von den Städten am Land und an den Grenzen.“ Lina und Pietro Maria Bardi halten einen eigenen Kurs für Industriedesign am Institut für zeitgenössische Kunst (IAC) ab. Lina plant und baut in Morumbi, einem neuen Viertel São Paulos, ihr eigenes Haus, das als Casa de Vidro, das gläserne Haus, bekannt wird. Lina plant mehrere unrealisierte Projekte: das Taba-Guaianases-Gebäude (mit Pier Luigi Nervi), Skizzen für Casas Econômicas sowie einen Entwurf für das Museu à Beira do Oceano in São Vicente. Bei letzterem entwickelt sie die Idee der Transparenz weiter, die sie später beim MASP-Projekt umsetzen kann. Lina entwirft den schüsselförmigen „Bowl-Chair“. Erste Internationale Biennale von São Paulo. Getúlio Vargas wird abermals Präsident Brasiliens, diesmal durch Wahl des Volkes.

Lina veranstaltet die erste brasilianische Modeschau, auf der sie eigens für das lokale Klima entwickelte Stoffe präsentiert, deren Muster von Sambonet, Burle Marx und Caribé entworfen wurden.

Der von Oscar Niemeyer in Zusammenarbeit mit Carlos Lemos, Eduardo Corona und Zenon Lotufo für die 400-Jahrfeier der Stadt São Paulo geplante Ibirapuera-Park wird eröffnet. Inmitten einer politischen Krise verübt Getúlio Vargas Selbstmord.

Lina wird für zwei Jahre Lehrbeauftragte an der Fakultät für Architektur und Städtebau der Universität São Paulo (FAU USP).

Am MAM São Paulo findet die erste landesweite Ausstellung für konkrete Kunst statt. Juscelino Kubitschek wird durch Direktwahl neuer Präsident Brasiliens und beginnt mit einer Politik der beschleunigten industriellen Entwicklung.

Lina schreibt eine Abhandlung mit dem Titel, Ein propädeutischer Beitrag zur Lehre der Architekturtheorie“ anlässlich ihrer offiziellen Bewerbung für den Lehrstuhl für Architekturtheorie an der FAU USP. Nach dem Abriss des Trianon beginnt Lina mit den Entwürfen für ein zweites MASP (Museu de Arte de São Paulo) auf demselben Baugrund. Das Museum wird 1968 eröffnet. Lina bewirbt sich bei einer Möbeldesign-Ausschreibung im italienischen Cantu. Sie entwirft die Arztpraxis von Dr. Mattos Felloni in São Paulo und erstellt Planungsstudien für ein Strandhaus (Casa de Praia). Lucio Costa gewinnt den Wettbewerb für die Generalplanung Brasilias.

Lina plant in São Paulo ein Haus für Valeria Piacentini Cirell. Im April reist sie nach Salvador, wo sie an der Fakultät für bildende Künste der Universität von Bahia Vorlesungen abhält. Im August kommt sie abermals nach Salvador und bereitet mit dem Architekten Diogenes Rebouças einen Kurs für Architektur und Stadtplanung vor. Ebenfalls in Salvador plant sie die Casa do Chame-Chame (Haus der Natur) und das Haus des Bildhauers Mario Cravo. Darüber hinaus schreibt Lina für Salvadors Tageszeitung Diário de Notícias eine Seite mit dem Titel „Chronik für Kunst, Geschichte, Bekleidung, Wohnkultur, Architektur, Malerei, Bildhauerei und bildende Künste“. Die Architekten Paulo Mendes da Rocha und John Gennaro gewinnen die landesweite Ausschreibung zur Planung der Sporthalle des Clube Atlético Paulistano (Athletikklubs São Paulo).

Lina erarbeitet mit dem Theaterregisseur Martim Gonçalves Eros von der Theaterfakultät der Universität von Bahia für die 5. Biennale von São Paulo die Ausstellung Bahia no Ibirapuera. Der Gouverneur von Bahia lädt sie ein, die Leitung des Museums für Moderne Kunst Bahia (MAM BA) in Salvador zu übernehmen. Sie plant die Restaurierung des Solar de Unhão und dessen Umbau in den Hauptstandort des Museums.

Im Januar wird das MAM BA im provisorisch hergerichteten Foyer des Teatro Castro Alves eröffnet. Assistiert von Mario Cravo kuratiert Lina in diesem Raum bis 1963 mehrere Ausstellungen, im Zuge derer sie das Museum in ein Kulturzentrum verwandelt. Der Komponist und Musikwissenschaftler Koellreutter gibt kostenlose Musikseminare, und Walter de Silveira organisiert den Bahia Filmclub. Im November wird in den Ruinen des Theaters unter der Regie von Martim Gonçalves Bertolt Brechts Dreigroschenoper aufgeführt. Das Bühnenbild steuert Lina selbst bei. Einweihung von Brasilia.

Lina entwirft das Bühnenbild und die Kostüme für Albert Camus’ Drama Caligula, das von Gonçalves inszeniert wird. Die Architekten Vilanova Artigas und Carlos Cascaldi entwickeln die Pläne für die FAU USP am Campus der Universität São Paulo.

Lina kuratiert weiterhin Ausstellungen am MAM BA und bereitet eine Nationale Kunstbiennale vor (die nicht umgesetzt wird). Sie regt einen Conjunto das Artes (Kunstkooperative) in São Paulo an, der ein Theater sowie Künstlerateliers beherbergen soll.

Nach Fertigstellung der Umbauarbeiten übersiedelt Lina das MAM BA in den Solar do Unhão. Mit einer Ausstellung über den Nordosten Brasiliens ruft sie das Museum für volkstümliche Kunst von Unhão ins Leben und entwickelt Pläne für ein Zentrum für Theorie und Praxis des Handwerks sowie eine Schule für Industriedesign neben diesen Museen. Sie entwirft Pläne für das Marmormuseum am Monte Altíssimo im italienischen Carrara.

Das MAM BA wird von der Armee besetzt, die darin ihre Mostra da Subversão (Subversionsausstellung) abhält. Lina legt ihr Amt nieder und kehrt nach São Paulo zurück, wo sie das Gästehaus La Torracia für die Casa Cirell entwirft. Ein Militärputsch stürzt die Regierung von Präsident João Goulart. Beginn des Militärregimes in Brasilien.

Lina verfasst die Pläne für drei (unrealisierte) Projekte: ein Museum für das Institut Butantã, einen Ausstellungspavillon am Parque Lage in Rio de Janeiro und eines ihrer seltenen städtebaulichen Projekte – den Itamambuca-Strand in Ubatuba im Bundesstaat São Paulo.

Lina übernimmt den Bau des Kunstmuseums São Paulo (MASP) an der Avenida Paulista. Sie plant den Umbau und erstellt Detailpläne. Der italienische Architekt Aldo Rossi veröffentlicht Die Architektur der Stadt: Skizze zu einer grundlegenden Theorie des Urbanen.

Das neue MASP wird anlässlich eines Besuchs von Königin Elizabeth II. von England auf deren Brasilienreise eröffnet. Lina entwirft die Szenenbauten für den Film A Compadecida (engl.: Our Lady of Compassion) unter der Regie von George Jonas.

Lina beginnt mit dem Theaterregisseur José Celso Martinez Corrêa zusammenzuarbeiten. Sie entwirft die Bühnenbilder und Kostüme für dessen Inszenierung von Bertolt Brechts Im Dickicht der Städte. Sie kuratiert die Ausstellung Die Hand des brasilianischen Volks am MASP.

Lina verantwortet Ausstattung und Bauten des Films Prata Palomares der Regisseure Andrew Farias und Jose Celso Martinez Corrêa.

Lina entwirft die Kulissen für das Stück Gracias, Señor der Gruppe Oficina am Teatro Tereza Rachel in Rio de Janeiro.

Lina erarbeitet mit dem Maler José Edmar de Almeida am MASP die Ausstellung Repassos. Sie thematisiert die Arbeit von Weberinnen im Triângulo Mineiro („Minendreieck“). Ausstellungsgestaltung und Super-8-Filme stammen von Flávio Império. Lina entwirft auch Pläne für Camurupim Design, eine Kooperative in Propriá, Bundesstaat Sergipe.

Lina plant die Kirche des heiligen Geistes von Cerrado (Igreja Espírito Santo do Cerrado) in Uberlândia, die 1982 fertiggestellt wird. Dieser Bau markiert den Anfang ihrer Zusammenarbeit mit André Vainer und Marcelo Ferraz.

Lina plant die Parfumfabrik Rastro in Santana de Parnaíba, Bundesstaat São Paulo (unrealisiert). Zusammen mit Vainer und Ferraz beginnt sie mit dem Projekt SESC Freizeitzentrum – Fabrik Pompéia.

Lina, Vainer und Ferraz verfertigen die Pläne für die Kapelle der heiligen Maria der Engel (Capela Santa Maria dos Anjos) in der Präfektur Vargem Grande Paulista, Bundesstaat São Paulo. Das Amnestiegesetz wird verabschiedet, wodurch alle BrasilianerInnen aus dem Exil zurückkehren können.

Lina beginnt mit Skizzen für das Teatro Oficina, bis 1984 gemeinsam mit Marcelo Suzuki und danach mit Edson Elito. Auf Druck der wachsenden Demokratiebewegung wird die brasilianische Verfassung geändert, sodass das Volk die Gouverneure der Bundesstaaten wieder direkt wählen kann.

Lina nimmt mit ihrem Anhangabaú-Tobogã-Projekt am Wettbewerb für das Anhangabaú-Tal teil. Zusammen mit Vainer und Ferraz plant sie die Neubauten für das MAM SP in Ibirapuera. Die Kirche des heiligen Geistes von Cerrado (Igreja Espírito Santo do Cerrado) wird eröffnet, und die erste Bauphase des SESC Freizeitzentrum – Fabrik Pompéia abgeschlossen. Die Planung der zweiten Bauphase mit der Errichtung des Sportzentrums beginnt. Lina kuratiert die Ausstellungen Design in Brasilien – Geschichte und Realität sowie Das Schöne und das Recht aufs Hässliche am SESC Pompéia.

Lina kuratiert Tausend Spielzeuge für Brasiliens Kinder am SESC Pompéia (Dezember 1982 bis Juli 1983).

Lina kuratiert Caipiras, capiaus: Pau-a-Pique am SESC Pompéia.

Lina kuratiert ein Zwischenspiel für Kinder am SESC Pompéia. Sie entwirft Bühnenbild und Kostüme für das Stück Ubú – Pholias Physicas, Pataphysicase Musicaes von Alfred Jarry, das von der Theatergruppe Ornitorrinco unter der Regie von Cacá Rosset aufgeführt wird. Am 5. Januar stirbt der brasilianische Architekt Vilanova Artigas. Der neu gewählte Präsident Tancredo Neves wird einen Tag vor Amtsantritt ins Krankenhaus eingeliefert. Der gewählte Vizepräsident José Sarney übernimmt das Amt, womit das Militärregime endet.

Die zweite Baustufe des SESC Pompéia, das Sportzentrum, wird eröffnet. Lina, Vainer, Ferraz und Suzuki beginnen mit den Restaurierungsplänen des Teatro Politheama Jundiaí (Fertigstellung 1995) und mit der Arbeit am Theater einschließlich Bar in Morro da Urca, Bundesstaat Rio de Janeiro. Auf dem Grundstück der Casa de Vidro plant und baut Lina zudem ein Cottage und ihr eigenes Studio. Die Stadtverwaltung von Salvador lädt Lina zu einer Reihe neuer Projekte ein. Mit Ferraz und Suzuki entwickelt sie einen Erneuerungsplan für das historische Stadtzentrum. Der Gesamtplan wird nicht umgesetzt, einige Einzelbauwerke werden jedoch fertiggestellt. Die ersten sind das Belvedere da Sé und das Theater der Fundação Gregório de Mattos. Für Joaquim Guedesteams Entwurf für den Bicocca-Wettbewerb in Mailand entwickelt Lina Projektskizzen gemeinsam mit Ferraz, Suzuki und Vainer.

Die Arbeiten in Salvador werden mit den Projekten der Casa do Benin in Bahia und der Ladeira da Misericórdia fortgesetzt. Letzteres umfasst das Restaurante do Coati, die Bar dos Três Arcos sowie die Häuser Nummer 1, 3 und 7 (1990 finalisiert). An diesen Bauvorhaben arbeitet neben Ferraz und Suzuki auch Joao Filgueiras Lima (Lele) mit.

Abermals mit Ferraz und Suzuki plant Lina die Casa de Olodumin Salvador (1991 abgeschlossen) und das Gemeinschaftszentrum der LBA in Cananéia. Zusammen mit dem Fotografen Pierre Verger kuratiert sie am MASP África Negra und nimmt am Planungswettbewerb für das Centro Cultural de Belem in Lissabon teil. Zudem entwirft sie die Grande Vaca Mecânica (Große mechanische Kuh, unrealisiert).

Lina erstellt die Pläne für ihr letztes Projekt in Salvador, die Stiftung Pierre Verger, sowie für die Casa do Brasil in Benin und das Teatro das Ruínas (Theater der Ruinen) auf einer Farm in Campinas. Alle drei Projekte entstehen mit Ferraz und Suzuki als Partner (sämtlich unrealisiert).

Wieder gemeinsam mit Ferraz und Suzuki plant Lina für Unicamp im alten Guanabara-Bahnhof in Caminas (Bundesstaat São Paulo) das Centro de Convivência (Zentrum des Zusammenlebens, unrealisiert). Mit Vainer, Ferraz und Suzuki beginnt sie mit den Planungsarbeiten an der Nova Prefeitura de São Paulo (neues Rathaus). Das Projekt umfasst die Restaurierung des Palácio das Indústrias sowie einen Neubau an der Stelle eines der Viadukte über den Parque Dom Pedro II. Die Stadtverwaltung übersiedelt 1992 in den renovierten Palast, der Abbruch des Viadukts samt Neubau wurde indes nicht ausgeführt.

Lina arbeitet an ihren letzten Projekten, einem Wettbewerbsplan für den brasilianischen Pavillon auf der Weltausstellung von Sevilla (mit Vainer, Ferraz, Suzuki und Fanucchi) und dem Kulturzentrum Vera Cruz, einem Umbau der leer stehenden Hallen einer alten Filmfirma in San Bernardo do Campo, Bundesstaat São Paulo (mit Vainer, Ferraz und Suzuki).

20. März: Lina Bo Bardi stirbt in ihrer Casa de Vidro.

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